Die komplzierte Bedienung des Biber

Die Bedienung eines Bibers war sehr komplex und der Fahrer musste eine Vielzahl von Handgriffen im Schlaff beherrschen. Dazu war natürlich ein entsprechendes Training notwendig, welches im vorangegangenen Kapitel bereits beschrieben wurde.
Der Biberfahrer war U-Boot-Kommandant, Steuermann und Leitender Ingenieur in einer Person. Die Schwierigkeiten die damit verbunden waren, werden wir in Kapitel 5 noch eingehender betrachten.
Die Fahrt über Wasser und die notwendige Navigation war nicht ganz einfach. Man muss bedenken, dass der Biberfahrer nur reichlich 50 cm über den Meeresspiegel blickt und somit nur eine sehr begrenzte Fernsicht hat. In seinem Boot standen dem Fahrer auch nur vier kleine Fenster zur Verfügung, die seine Sicht noch weiter beeinträchtigten. Der Blick durch das vordere Fenster wurde zusätzlich noch durch das Sehrohr und den Kompass behindert. Wenn der Fahrer nun die Oberfläche verlassen musste, waren unzählige Handgriffe nötig.
 
Als erstes galt es die Luke zu schließen, da sie bei Überwasserfahrt zur Durchlüftung der winzigen Zentrale meistens geöffnet war. Nun wurden die Entlüftung des vorderen Tauchtanks und anschließend die Entlüftung des hinteren Tauchtanks aufgerissen. Wasser schoss in die Tanks und das Boot begann von der Oberfläche zu verschwinden. Das Abtauchen wurde durch das Tiefenruder unterstützt. Nahezu im gleichen Atemzug musste der Fahrer den Benzinmotor abschalten und von der Schiffswelle abkuppeln, die E-Maschine einschalten, das Auspuffventil hinter seinem Rücken und das Zuluftventil über seinem Kopf schließen. Sobald der Biber vollständig getaucht war, wurden die Entlüfter wieder geschlossen. Das war wichtig, damit beim Auftauchversuch die Pressluft, die in die Tanks gedrückt wird, nicht wieder entwichen kann.
 
Unter Wasser war es sehr schwer den Biber konstant auf einer Tiefe zu halten, da ihm jegliche Trimm- und Regeltanks fehlten. Dem Fahrer blieb also nichts weiter übrig, als jede Abweichung von der gewünschten Tauchtiefe mit Hilfe der Tauchtanks und des Tiefenruders auszugleichen.
In verschiedenen Quellen wird angegeben, dass ein Halten der Sehrohrtiefe aus den eben genannten Gründen nicht möglich war und somit auch kein Angriff auf Sehrohrtiefe gefahren werden konnte. Dem widersprechen jedoch die Aussagen einiger ehemaliger Biberfahrer. Sie sagen, dass ein Halten der Sehrohrtiefe zwar sehr schwer war, aber durch das ständige Training soweit in Fleisch und Blut übergegangen war, dass auch Übungsangriffe auf Sehrohrtiefe erfolgreich gefahren werden konnten. Besonders die Flottillen die in Norwegen stationiert waren und kaum Einsätze gefahren hatten, nutzten die Zeit intensiv für tägliche Übungsfahrten.
Beim Alarmtauchen erreichte das Boot schnell einen Winkel von 40° und bewegte sich dabei wellenförmig rauf und runter. Diese Beeinträchtigung der Längsstabilität lässt sich durch die freien Oberflächen der Tauchtanks und der Benzintanks erklären.
Im getauchten Zustand wurde es dann jedoch erst richtig gefährlich. Batteriegase, Benzindämpfe und Kohlenmonoxid waren neben den überall lauernden Minen die größten Feinde eines jeden Biberfahrers. Immerhin waren die Batterien in der ohnehin engen Zentrale untergebracht. Nicht weniger gefährlich war die Überwasserfahrt bei geschlossenem Turmluk, da der Benzinmotor bei den ersten Bibern noch nicht vom Fahrerraum getrennt war. Die ersten Biberfahrer haben daher in Selbstversuchen ermittelt, wie sich ihr Gesundheitszustand verändert, wenn der Motor zwei Minuten lang im hermetisch abgeriegelten Raum läuft und sich dabei die Auspuffgase ausbreiten. Die Auswirkungen waren derart heftig, dass bei späteren Booten ein luftdichtes Schott zwischen Zentrale und Motorraum eingebaut wurde. Doch auch mit dieser Maßnahme wurde die Gefahr nicht endgültig gebannt. Der Motor brauchte Luft, welche über den Schnorchel zunächst in Fahrerraum gelangte und dann über eine Rückschlagventil in den Motorraum. Vergaß der Fahrer nun das Auspuffventil zu schließen, so gelangten die giftigen Abgase doch noch in die kleine Zentrale.
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