Die Entwicklung des Biber

Im November 1943 versuchte ein britisches Kommando-Unternehmen, an dem vier Boote dieses Typs beteiligt waren, in den norwegischen Hafen von Bergen einzudringen, um dort ankernde deutsche Kriegsschiffe anzugreifen. Teilnehmer dieser Operation waren drei Briten und ein Norweger. Die kleinen U-Boote wurden von britischen Motortorpedobooten in die unmittelbare Nähe der Schären geschleppt und dann losgeworfen. Sie sollten nun mit eigener Kraft durch den Solviksund und den Hjeltfjord zum Hafen von Bergen vordringen.
Die Kleinst-U-Boote wurden jedoch von norwegischen Fischern bemerkt, die ihre Entdeckung sofort den deutschen Dienststellen gemeldet hatten. Trotzdem gelang es den Booten ungehindert die Hafensperren von Bergen zu erreichen, welche sie jedoch nicht überwinden konnten. Daraufhin zogen sich die drei Briten in eine Bucht zurück und versenkten dort ihre Boote.
Das vierte Welman-Craft wurde jedoch durch KFK NB 59, einem deutschen Kriegsfischkutter (vormals KFK 220), vor dem Vestbyfjord bei Bergen durch Beschuss aufgebracht. Es gelang der Besatzung des Kriegsfischkutters, das winzige U-Boot unversehrt nach Bergen zu schleppen. Der Bootssteuerer, ein norwegischer Fähnrich, geriet dabei in deutsche Gefangenschaft. Den drei Briten gelang es unterdessen, vorübergehend unterzutauchen, bis sie später dann abgeholt wurden. Nach diesem misslungenen Angriff wurde die Entwicklung der Welman-Craft in England eingestellt. Insgesamt wurden höchstens zwanzig Stück dieser Boote hergestellt, eine genaue Anzahl ist nicht mehr zu ermitteln.
 
Das erbeutete Welman-Craft wurde nach Deutschland gebracht, wo es dem frisch gegründeten Kleinkampfverband übergeben und im geheimen Ausbildungslager „Blaukoppel“ getestet wurde. Danach galt das Boot lange Zeit als verschollen, über seinen Verbleib war nichts bekannt.
Erst 1990 gelang es meinem Freund Andre Pompetzki, das Geheimnis um das verschwundene Mini-U-Boot zu lüften. Bei einer Begehung des ehemaligen Lagers „Blaukoppel“, auf welches wir später noch näher zu sprechen kommen, fand er Reste des Welman-Bootes. Es handelt sich dabei um verbogene Teile des Turms und das komplette Ruder, welches sich noch in sehr gutem Zustand befand. Wegen der sehr markanten Bauweise des Ruders, konnte dieses zweifelsfrei dem Welman-Craft zugeordnet werden. Der Fundort und der Zustand der entdeckten Überreste lassen darauf schließen, dass das Boot bei Kriegsende im Lager „Blaukoppel“ gesprengt worden ist.
Man kann davon ausgehen, dass dieses britische Kleinst-U-Boot maßgeblich die Entwicklung des ersten Bibers beeinflusst hat. 
 
Am Anfang des Jahres 1944 stand die deutsche Kriegsmarine vor dem großen Problem, eine endlos lange Küstenlinie, von Norwegen über Dänemark, Holland bis nach Frankreich, vor einer möglichen Invasion schützen zu müssen. Eine Aufgabe, die mit den vorhandenen Mitteln nicht einmal annähernd zu bewältigen war.
Man geht heute davon aus, dass die Idee des Bibers mit der Erbeutung des Welman-Craft geboren wurde. Bartels befasste sich gemeinsam mit Heinrich Dräger schon längere Zeit mit der Möglichkeit, Marinekleinkampfmittel einzusetzen. Dräger verfasste sogar im Oktober 1941 eine Studie über Produktions- und Einsatzmöglichkeiten von Klein-U-Booten. Beiden Männern schenkte die Marineführung während den ersten Kriegsjahren kein Gehör. Ihre Stunde schlug erst Ende 1943, als die Wende im U-Boot-Krieg bereits seit mehreren Monaten erreicht war. Schon in seiner Studie aus dem Jahr 1941 erkannte Heinrich Dräger, dass eine der Hauptstärken von Kleinst-U-Booten darin liegt, dass ihre Abwehr umso schwieriger sein wird, je größer ihre Stückzahl ist.
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