Die Biber-Flottillen

Im August 1944 wurde im bereits erwähnten Lager Blaukoppel in Lübeck das Lehrkommando 250 unter dem Kommando von Korvettenkapitän Hans Bartels aufgestellt. Das Lehrkommando 250 bildete alle künftigen Biberfahrer aus. Nach der Ausbildung wurden in Lübeck die Einsatz-Flottillen aufgestellt und anschließend an die Front verlegt.
Eine Biber-Flottille bestand in der Regel aus 30 Booten und konnte auf sich gestellt unabhängig operieren. Für jeden Biber gab es einen Spezialanhänger und ein Zugfahrzeug.
Zusätzlich verfügten jede einzelne Flottille über einen Flottillen-Ingenieur mit Wartungspersonal, einen Torpedo-Offizier mit einigen Mechanikern, Küchenpersonal, Funkpersonal und einen Flottillenarzt mit 5 Sanitätern. Hinzu kamen noch einige Tanklastwagen, für den Treibstoff.
Eine einsatzbereite Flottille verfügte also über umfangreiches Personal von etwa 180 bis 200 Mann und zahlreichen Fahrzeugen. Wenn solch ein Konvoi verlegt wurde, und das geschah in der Regel geschlossen, so musste dies zwangsläufig Aufsehen erregen. Trotz aller Geheimhaltungsbemühungen, blieben die Transporte den alliierten Geheimdiensten nicht verborgen.
Die nachfolgende Auflistung erhebt keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit. Die meisten Angaben beziehen sich auf Erinnerungen von ehemaligen Biberfahrern, amtliche Dokumente sind kaum erhalten. Es ist somit sehr schwer, die Aktivitäten aller Flottillen vollständig zu erfassen.
 

Die K-Flottille 261
Sie war die erste Biber-Flottille und bestand aus 20 Bibern. Unter dem Kommando ihres ersten Flottillenchefs Korvettenkapitän Bartels führte sie den ersten Bibereinsatz durch. Nach der völligen Vernichtung kehrte die Flottille zum Lager Blaukoppel zurück. Hier wurde die Flottille später mit 30 Bibern erneut aufgestellt und unter dem Kommando von Kapitänleutnant Wolters im November 1944 nach Arhus/Osterburg in Dänemark verlegt. Nur wenige Wochen später gelangte die K-Fl. 261 nach Poortershaven/Hoek van Holland Ende Dezember gelangte sie an ihren endgültigen Standort in Rotterdam.
 

Die K-Flottille 262
Die Flottille 262 lag bis November 1944 mit 30 Bibern unter Kapitänleutnant Richard Sommer in Arhus/Osterburg in Dänemark. Im Dezember wurde sie nach Groningen verlegt, wo sie sich aber nur vorübergehend aufhielt. Später wurde sie in zwei Halbflottillen, mit den Standorten Poortershaven/Hoek van Holland (unter Kapitänleutnant Schmidt) und Rotterdam, geteilt. Einsatzziel war der alliierte Nachschubverkehr in der Schelde.
Die Flottille fuhr anschließend Einsätze am 23., 25., 26. und am 27. 12. 1944. Bei der Explosion eines Torpedos kamen fünf Angehörige der Flottille ums Leben.
Am 22. Januar 1945 fand ein Großensatz mit 24 Booten von Hoek van Holland aus statt. Die Boote gingen fast alle durch Feindeinwirkung sowie Netzberührungen (infolge der Strömung) verloren. Wegen starkem Treibeis fanden im Februar keine weiteren Einsätze statt. Ende März fuhr die Flottille nochmals einige Einsätze gemeinsam mit der K-Fl. 261 von Rotterdam aus.
Der längste bekannte Bibereinsatz wurde von einem Angehörigen der Flottille 262 gefahren, er dauerte unvorstellbare 90 Stunden.
Im April 1945 wurde das Restpersonal nach Lübeck verlegt und kam dort am 21. April zur Panzerbekämpfung zum Einsatz.
 

Die K-Flottille 263
Die Flottille 263 wurde unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Dieter Erdmann im September 1944 aufgestellt. Zur Tarnung erhielt sie die offizielle Bezeichnung „Marine-Nachschub-Einheit 263“ und die Angehörigen der Flottille trugen graue Feld-Uniformen. Am 2. Oktober 1944 wurde sie mit 180 Mann in Travemünde auf die MS Moltkefels verladen (Die MS Moltkefels wurde Anfang April 1945 durch die sowjetische Luftwaffe versenkt. 500 Tote.) und nach Kristiansand im Süden von Norwegen transportiert.
In Kristiansund angekommen, wurden die Biber mit der Eisenbahn nach Arendal gebracht. Hier wurde die Flottille in zwei Halbflottillen geteilt und mit Lkws zu den Standorten Hollen (westlich von Kristiansand) und Stolsvigen (westlich von Arendal). In Arendal befand sich das Hauptquartier der deutschen Division für Südnorwegen. Hier sollten die Biber der Invasionsverteidigung um Arendal dienen.
6 Biber wurden im März 2003 in Sogne bei Bauarbeiten gefunden. Es stellte sich heraus, dass diese Boote, nachdem alle verwertbaren Teile und besonders die wertvollen Aluminium-Türme demontiert waren, nach Kriegsende vergraben wurden.
 

Die K-Flottille 264
Die Flottille 264 wurde im Januar 1945 aufgestellt und kurzzeitig an die Ems-Mündung nach Norden verlegt. Noch im Januar gelangte die Flottille an ihren eigentlichen Stationierungsort Rotterdam. Am 6. März 1945 fuhr sie einen groß angelegten Einsatz mit 33 Booten. Zwei Boote gerieten in Gefangenschaft, von den restlichen Booten kehrte nur ein einziges zurück. Der Fahrer hatte unbeschreibliches Glück, sein Benzinmotor streikte, sodass er umkehren musste. Die Flottille ging also bei einem einzigen Einsatz nahezu vollständig verloren. Von diesem Überlebenden konnten der Autor einige wenige Einzelheiten zu den Einsatzvorbereitungen erfahren: Unter dem Kommando von Bartels mussten sich die Fahrer die zuvor errechneten Kurse jeden Tag aufs Neue einprägen (Anmerkung des Verfassers: Vermutlich ist hier der erste Bibereinsatz der K-Fl. 261 gemeint, welcher unter dem Kommando von Bartels durchgeführt wurde). Später, unter Leutnant Bunte, dem Sohn des Besitzers der Flenderwerft, mussten die Fahrer von nun an ihre Karten selbst zeichnen, welche sie auch auf See mit sich führten. Da die Biber aber jede Nacht klar für einen Einsatz zu sein hatten, verbrachten die Fahrer die Tage von nun an damit, täglich neue Karten zu zeichnen, da sich die Einsatzbedingungen und –ziele ständig änderten.
 

Die K-Flottille 265
Die Flottille wurde im Oktober 1944 in Blaukoppel aufgestellt und im November 1944 nach Harstadt in Nordnorwegen verlegt. Dort sollte sie die Eingänge zum wichtigen Erzhafen Narvik absichern.
  
Eine Halbflottille, die K-Fl. 1/265 führte später das bereits geschilderte „Unternehmen Cäsar“ gegen die „Royal Sovereign“ durch. Die andere Halb-Flottille, die K-Fl. 2/265 wurde in den Westfjord verlegt.
 

Die K-Flottille 266
Die Flottille 266 wurde im Januar 1945 aufgestellt und bezog ihren Standort unter dem Kommando von Oberleutnant zur See Heckmann mit 30 Bibern in Rotterdam. 24 Boote wurden beim oben erwähnten Einsatz gegen die Waal-Brücke eingesetzt.
Nach schweren Verlusten wurden die Reste dieser Einheit in die K-Fl. 262 eingegliedert.
 

Die K-Flottille 267
Die K-Fl. 267 war mit 30 Bibern in Levanger im Trondheimfjord in Norwegen stationiert, wo die Flottille 1944/1945 überwinterte. Flottillenchef war anfangs Kapitänleutnant Wagner, welcher jedoch wegen angeblicher Unfähigkeit zurück geschickt wurde.
Später wurde die Flottille geteilt und verlegt. Die erste Halbflottille, unter dem Kommando von Kapitänleutnant Sommer, wurde mit 15 Booten nach Kviltorp in der Nähe von Molde in West-Norwegen verlegt. Die zweite Halbflottille bezog ihren neuen Standort in Kristiansund und stand unter dem Kommando von Oberleutnant Sengpiel.
Die Verlegung nach Norwegen wurde trotz umfangreicher Geheimhaltung vom polnischen Geheimdienst beobachtet. Ein Bericht hierüber, datiert vom November 1944, kam jedoch erst am 15. Januar 1945 in London beim britischen Marinegeheimdienst an. Die Polen verfügten über einen Informanten auf einem Schiff (vermutlich der MS Moltkefels oder SS Capri), dass in der Nacht vom 13. zum 14. September 1944 zahlreiche Biber in Travemünde an Bord genommen hatte. Diese Biber sollten seinen Informationen zufolge unter großer Geheimhaltung nach Kristiansund gebracht werden.
Der Auftrag der K-Fl. 267 bestand in der Abschließung des Trondheimfjords.
Nach dem Waffenstillstand waren alle 30 Biber erhalten, es gab bei den Übungsfahrten glücklicherweise keine Verluste.
 

Die K-Flottille 268
Dieser Flottille wurde unter dem Kommando von Kapitänleutnant Stelzer vermutlich im Februar 1945 aufgestellt und kurzfristig nach Norden in die Nähe der Ems-Mündung verlegt. Ende März 1945 wurde die Flottille nach Rotterdam verlegt und nahm dort an den letzten Einsätzen teil.
 

Die K-Flottille 269
Die K-Fl. 269 wurde im April 1945 in Lübeck aufgestellt und sollte vermutlich die hohen Verluste in Rotterdam ausgleichen. Sie wurde jedoch nicht mehr an die Front verlegt und die Biber wurden während der letzten Kriegstage im Lager Blaukoppel gesprengt.
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