Schwierigkeiten beim Einsatz des Biber
 
Biber waren, wie andere Kleinkampfmittel auch, "Schönwetterboote", d.h. man konnte sie nur bei günstigen Wetterlagen einsetzen: Nur bei Neumondnächten und nur bedeckter Himmel und ein diesiges Wetter ließen die Wahrscheinlichkeit zu, von den gegnerischen Bewachern nicht aufgespürt zu werden. Nur ruhige See und mäßiger Wind machten die Fahrt überhaupt möglich. Allein auf sich gestellt, hockt der Fahrer auf seinem Sitz. Wenige Monate Ausbildung mussten genügen, ihn wenigstens mit den Grundbegriffen der Navigation vertraut zu machen. Kann er aufgetaucht fahren, so hat er einen halben Meter Abstand von der Wasseroberfläche. Das ist so wenig, dass er nicht all zu weit sehen kann. Ein Armband-Kompass, eine kleine Seekarte mit dem eingezeichneten Kurs und einige Angaben, die er kurz vor der Fahrt auf ein Blatt Papier geschrieben hat, sind seine einzigen Hilfsmittel.
 
"... Du fährst jetzt genau sieben Stunden Kurs 260 Grad!", unterweist der Steuermann an Land den Fahrer. Er schärft ihm ein, welche Kursänderungen er zu welcher Zeit vornehmen muss. All dies fußt auf theoretischen Berechnungen, fußt darauf, dass man die Geschwindigkeit des Bootes und des Stromes kennt, dass man auf die Stunde genau losfährt, dass die navigatorischen Mittel des Bootes genügen, es auch genau auf dem errechneten Kurs zu halten.
 
Karl von Hausen schildert die Probleme der Navigation wie folgt:
Wenn es eine wolkenfreie Sternen-Nacht war, wurde über das Sternen-Azimut navigiert. Bei bedecktem Himmel war das nicht möglich und da begannen die Schwierigkeiten für jeden Fahrer. Er war aber mit vergrößerten Karten des Einsatzgebietes bestückt. Man darf nicht vergessen, dass die meisten Einsätze immer in Küstennähe bis zu etwa 50 sm stattfanden. Die terrestrische oder Sichtnavigation wurde bei Stillstand des Bootes und offener Einstiegsluke auf der Batterie stehend mit dem Fernglas ausgeführt.“
 
Über die Trimmung des Bibers berichtet Karl von Hausen folgendes:
Der Biber war von der Flenderwerft vor Lieferung an die BLAUKOPPEL Standart getrimmt. Wie das von statten ging, entzieht sich meiner Kenntnis. Man hat weder das technische Personal noch uns Fahrer darüber belehrt. Den Biber während der Fahrt zu trimmen, war relativ einfach. Wenn man sich ein Bild vom Biber ansiehst, wird man sehen, dass das Tiefenruder unter dem Seitenruder (aber exakt in Höhe der Längsachse der Antriebsschraube) angebracht war. Die Trimmung war sehr einfach durch das Tiefenruderrad im Cockpit zu bedienen. Dazu kam, dass die Strömung (verursacht durch die Drehung der Schraube) eine positive Auswirkung auf das Tiefenruder hatte.
Ich kann bestätigen, dass das Halten der Tiefe auf Sehrrohrtiefe sehr schwierig war. Jeder Fahrer hatte aber durch das ständige Training seinen eigenen Trick, diese Schwierigkeiten zu meistern.
 
Fuhr der Biber aufgetaucht, so befand sich wie bereits erwähnt der Kopf des Fahrers nur einen halben Meter über der Wasseroberfläche. Das brachte natürlich enorme Probleme mit sich. Der Biberfahrer Helmut Kühne erinnert sich an diese Schwierigkeiten:
„Die Sichtverhältnisse waren sehr begrenzt. Einmal durch die überkommenden Brecher und zum anderen durch die kleinen Plexiglasfenster des Turmes. Die Sichthöhe war so gering, dass viele auf das Turmluk kletterten und sich am Sehrohr festhielten, um Ausguck zu halten. Das Sehrohr war aufgrund der Winkelgeschwindigkeit durch die Bootsbewegungen kaum zur Verbesserung der Sichtverhältnisse und der Sichthöhe geeignet und wurde im Gegenteil bei Einsätzen vielfach abmontiert, um die Erkennung zu erschweren. Viele öffneten beim Zielen das Turmluk ein wenig, was aber streng verboten war.“
 
Doch es gab noch immer zahllose Möglichkeiten dafür, dass irgend etwas Unerwartetes geschieht, das den einsamen Fahrer draußen auf See behindert, ihn von seinem Kurs abbringt oder ihn zum Tauchen zwingt: Entdeckung durch feindliche Bewacher, besonders Flugzeuge, plötzliches Aufkommen widriger Winde oder nicht vorhersehbare Seiten- oder Gegenströmungen, das Festlaufen auf einer Sandbank, das den Biber meist unausweichlich bis zur nächsten Flut dort festhält ...
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